Wer Piraten wählt, wählt Titanic.

Posted on September 21 2009 by Julius

ppEntern oder Kentern?

Jeder möchte auf die Titanic, doch kaum einer weiß, dass zu wenig Rettungsboote an Bord sind. Alle sind geblendet von der Einfachheit persönlicher Freiheit und dem Glauben an eine bessere Welt.

Die Piraten Partei, welche im letzten Jahr große politische Wellen geschlagen hat, vor allem durch die Gegendemonstration bzgl. Zensur im Internet, ist zu einer attraktiven Alternative im Wahlverhalten junger Wähler geworden. Laut Studivz-Umfrage würde eine Überzahl von Studenten und Schülern die Piraten Partei bei den bevorstehenden Wahlen preferieren. Doch woher kommt dieser Trend?

Sehen wir uns mal oberflächlich das Parteiprogramm an:

* für Privatsphäre
sowohl online als auch offline

* für informationelle Selbstbestimmung und
gegen Online-Durchsuchungen

* für offene Märkte und
gegen private Monopole

* für freies Wissen und
gegen Patentwahn

* für den transparenten Staat
anstatt des gläsernen Bürgers

* für mehr Demokratie und
weniger Lobbyismus

* für ein faires Bildungssystem
und gegen Studiengebühren

Was wir hier sehen sind Punkte, die wohl jeden jungen Menschen, der sich Gedanken über sein Leben in der Gesellschaft macht, ansprechen. Die Piraten bedienen die Meinung einer breiten Masse von jungen Wählern, welche man als netzaffin, politisch eher uninteressiert/uninformiert, sowie überfordert mit der politischen Komplexität in Parteiprogrammen großer Parteien bezeichnen kann. Sie wählen die Piraten, weil sie sie verstehen. Sie glauben zu wissen was sie wählen und für was.

Mythos

Die Komplexität von Weltwirtschaft, internationaler Diplomatie und nationaler Sozial- und Bildungssysteme entzieht sich der Piraten Partei, so wie sie sich jedem politisch uninteressierten Jungwähler entzieht. Eine fundierte, politische Entscheidung ist in näherer Zukunft nicht von einer Partei, wie den Piraten zu erwarten. Kostbare Stimmen der Piratenpartei zu schenken, kann also nicht aus dem Ziel eine führende Partei zu wählen, sondern eher aus der Motivation heraus für eine Beteiligungspartei zu stimmen entstehen, welche für moderne Ziele einsteht.

Piratengeschrei

Warum hat die Piraten Partei ihre Daseinsberechtigung? Das klärt sich, wenn man die Partei als eine Oppositionspartei betrachtet. Sie steht für Ziele, die in einer modernen Gesellschaft drohen unterzugehen. Allein durch die Furore der letzten Monate haben sich große Parteien dazu entschlossen, Programmpunkte der Piraten in ihr Parteiprogramm aufzunehmen. Die Grünen unterstützen die Piraten mit Teilnahme im Piratenmobil:

“…bekanntere Personen wie Tauss oder Grünen-Mitgründer Rusche das Piratenmobil für einige Zeit übernehmen…” Quelle: Piratenpartei in Studivz/01.09.2009 um 11:10 Uhr

Die Piraten haben es geschafft, die Politik zu beeinflussen, so dass man fast alle Programmpunkte der Piraten Partei nun im Parteiprogramm der Grünen findet oder diese Punkte im Wahlkampf der Koalitionsparteien diskutiert werden.

Die Qual der Wahl

Es ist wichtig für verloren-gegangene Werte zu kämpfen und die Piraten Partei dabei zu unterstützen, diese wieder diskussionswürdig zumachen. Wer aber auf eine erfolgreiche politische Führung hofft, wird am Ende eine herbe Enttäuschung einfahren.

2 Responses to “Wer Piraten wählt, wählt Titanic.”

  1. steve sagt:

    interessant zu lesen, aber ich denke nicht, dass die Piratenpartei ahnungslos ist.
    Noch weniger denke ich, dass die Piratenpartei vorallem von Jungwählern ohne politischem Interesse oder Sachverstand gewählt wird. Das trifft in höchstem Maße, meiner Einschätzung nach eher auf die großen, also CDU und SPD zu.
    Ginge es nach der CDU und der jungen Union, hätten wir bereits Realnamenpflicht im Internet, ein Verbot von Softair und Killerspielen, Sperrung von Gewaltseiten, Pornoseiten und Glücksspielseiten.
    Ausserdem würde die Bundeswehr Polizeiaufgaben übernehmen.
    Ich glaube kaum, dass ein Jugendlicher, der sich aktiv, nicht nur über Parteiprogramm sondern auch über Portale wie Abgeordnetenwatch informiert ernsthaft dafür sein kann. Zumindest nicht die Mehrheit der Jugendlichen.
    Die meisten CDU oder SPD wähler die ich kenne wählen die Parteien weil die Eltern die auch wählen oder die halt bekannt sind. Wirklich wissen wofür ihre Abgeordneten stehen tuen wenige.
    Das zeigt auch die enorme Beliebtheit unseres Wirtschaftsministers.
    Wirklich großes getan hat er nie, aber alle mögen ihn. Vielleicht weil sein Name cool klingt oder weil er adelig ist? Er hat Ausstrahlung, aber politisch ist er sicher nicht der Stärkste.

    Ein weiterer Punkt ist der Altersschnitt in den großen Parteien.
    Die SPD hat, zum Beispiel, derart viele Platzhirsche, dass sie langfristig immer weiter verlieren wird, da kein Nachwuchs kommt.
    Bei der CDU ist es ähnlich.
    Für die Grünen kandidiert in unserem Wahlkreis immerhin der sehr junge Andreas Schwarz, der in der Kommunalpolitik und in der Zusammenarbeit mit dem Jugendrat in Kirchheim wirklich Kompetenz erwiesen hat.
    Leider hat der, unter Anderem wegen dem Alter, einfach keine Chance.

    Dass die Piratenpartei kein umfassendes Programm hätte stimmt nicht.
    Mach doch einfach den Wahl-o-Mat und schau dir die Meinung der Partei zu den Programmpunkten an.
    Ein weiterer Punkt ist, dass die Piratenpartei das Urheberrecht ja nicht abschaffen will, sondern es reformieren möchte.
    In der Tat finde ich es höchst unmoralisch, wenn ein Plattenlabel, das durch MP3-Verkauf im Netz bald eh kaum noch physische Datenträger herstellt.
    Die Leistung der Labels geht also gegen Null, während kleine Bands immernoch nur 5-10% des Geldes an ihren Verkäufen sehen. Das kann nicht sein!
    Auch ist das Recht beim Remixen total verkorkst ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bitter_Sweet_Symphony#Lizenzstreit )
    Alles was wir an Kultur haben basiert auf der vorhergegangenen Kultur.
    Deshalb darf man die Produktion von neuer Kultur nicht dem Urheberrecht unterstellen.
    Wenn ich ein Lied produziere darf ich keine Melodien verwenden die es schon gibt, oder Sampes aus Filmen verwenden. Garnichts.
    Für die Großen scheinen aber andere Regeln zu gelten.
    So hat Timbaland einfach den Song Acidjazzed Evening geklaut und zu Nelly Furtados Do It umgemodelt.
    Er ist nie bestraft wurden.
    http://www.youtube.com/watch?v=M4KX7SkDe4Q
    Ausserdem verstösst schon das anbieten von Songtexten oder das Singen am Lagerfeuer gegen das Urheberreht.

    Daher finde ich schon, dass Piratenwähler sehr politisch sein können.
    Über die 5%Hürde wird es wahrscheinlich diesmal nicht gehen, aber mittelfristig wird sich die Partei wahrscheinlich etablieren und auch erwachsen werden.
    Die Grünen hatten am Anfang exakt die selbe Situation wie die Piraten heute.

    Ich bin gespannt wie sich die Partei entwickelt.

    Die Titanicpartei Partei für PARTEI steht diemal leider nicht zur Wahl, was ich schade finde.
    Auch die APPD war in meinen Augen sehr sinnvol, denn Stimmen verschenken geht nicht.
    Man soll das wählen wo man hinter steht, auch wenn die 5% Hürde wohl nicht erreicht wird.
    Wenn man sich mit keiner Partei identifizieren kann soll man nicht Nichtwählen gehen, sondern eher Protestwählen.
    Dabei find ich es gut, wenn es Parteien gibt die einfach für nichts stehen, wie PARTEI oder APPD, denn wer NPD protestwählt spielt mit dem Feuer!

  2. Julius sagt:

    Deswegen ist es wichtig eine Partei als Sprachrohr oder Stimme in der Politik zu haben, welche für solche Veränderungen eintritt und ins Gespräch bringt. Sie hat absolut ihre Daseinsberechtigung! Und natürlich hat sie auch das Potential sich zu entwickeln und erwachsen zu werden. Doch denke ich sollte man nicht die psychologischen Gründe, welche den Wähler dazu veranlassen “Pirat zu werden”, außer Acht lasst. Spannend ist, dass die Jungwähler mit der Piratenpartei wieder Bezug zur Politik herstellen konnten und sich vor den Wahlen aktiv damit beschäftigen – so mein Eindruck. Somit hat sie ebenfalls politische Aufklärung erreicht und Politik wieder interessant gemacht.
    Ob ihr Wahlprogramm momentan umfassend genug ist, bleibt erstmal dahingestellt – und wenn das Interesse an Politik wieder steigt, ist doch der Benefit bei allen Parteien.

Leave a Reply