Minimale Schönheit

Posted on November 17 2009 by Julius

Die Weltgeschichte schreitet fort durch Evolution und durch das Erschließen von neuen Möglichkeiten, Wegen und Mitteln. Wird eine neue, praktische Technologie, Wissen oder gestalterische Erweiterung erschlossen, wird sie je nach Art zu einem etablierten Gebrauchsgegenstand, zu einer Bildungsgrundlage oder zu einer Modeerscheinung und bei Bewährung als solche weitergegeben.

In der Kunst führte der Modebegriff zu ganzen Stilepochen, in welche wir heute die Kunstgeschichte einteilen. Jede Stilepoche hat ihre Stilmittel und ihre technischen und gestalterischen Errungenschaften. Aus natürlichem Antrieb ist der Mensch immer für eine Entwicklung  und macht nur selten einen Schritt zurück. Somit konnte bis zur heutigen Zeit ein stetiger Fortschritt an Technologie gewährt werden. Dieser Antrieb begründet sich nach der Neugierde und der Unzufriedenheit mit dem bereits Vorhandenen.

Wenn wir beispielsweise einen materialistischen Wunsch haben, wie in Besitz eines neuen Autos zu sein, so ist dieser Wunsch, wenn er in Erfüllung geht, zwar kurzfristig getilgt, wächst aber spätestens wieder, sobald ein neues, noch fortschrittlicheres Auto auf den Markt kommt. Die Normalität zieht uns nicht an, sondern die Zukunft, die Verbesserung, das was wir noch nicht haben oder nicht haben können.

Im 20. Jahrhundert wurde in der Kunst eine Richtung geboren, die sich auf den legendären chinesischen Philosophen Lao Tse bezogen hat, um den Fortschritt der Kunst in eine andere Richtung zu lenken. Es geht um den Minimalismus, der die Vereinfachung dessen anstrebte, was aus der gotischen und barocken Kunst, sowie in der Malerei aus dem Expressionismus hervorging und in einem Wahn von Ausschmückung und Übertriebenheit im Surrealismus und Abstrakten Expressionismus landete. Der Minimalismus greift das Oxymoron Lao Tses auf, mit welchem er die Geschichte des modernen Designs, der Kunst und Architektur prägte.

„In Einfachheit und Veredelung liegt Reichtum“

oder in abgewandelter Form gesagt:

„Weniger ist mehr“

Der Minimalismus verfolgte wie die Minimal Art den Ansatz, die Kunst auf die Basis zurück zu führen und die einfachste Form, die Grundform zu finden. Die Vereinfachung schließt gleichzeitig das Weglassen von überflüssigen Verschönerungen wie Ornamenten und Farbpracht aus und konzentriert sich auf das Konzept und die Wirkung, die ein minimalistisches Kunst- oder Designobjekt ausmachen. Jacob Gube schreibt für „Smashing Magazin“:

“Minimalism, in the context of design, refers to simple, unadorned designs that embody only the most basic and fundamental needs.”[1]

Für ihn ist Minimalismus im Designsegment eine Art von Vereinfachung zu fundamentalen Bedürfnissen des Menschen im Kontext zum modernen Designbegriff. Er bezieht sich auf das Verlangen nach Klarheit und Logik. Alles was den Betrachter von der Funktionalität oder der Wirkung des Objekts je nach Kontext ablenkt, ist im Minimalismus zu vernachlässigen. Die Parallelen hierbei zum Bauhaus und Funktionalismus werden vor allem im Design deutlich, welches sich auf die schlichte und funktionsorientierte Form eines Objektes beschränkt und dadurch wieder Ästhetik erreicht. Der prägende Begriff dazu entstand durch Louis Sullivan „Form Follows Function“, was soviel heißt wie die Form eines Gerätes oder Gebäudes folgt dessen Funktion und das mit dem Anspruch optimaler Funktionalität und „Barrierefreiheit“, welche durch einen rein gestalterischen Prozess nicht erreicht werden kann. Die Zweckform stellt die Gestaltung somit an letztere Stelle.


[1] Jacob Cube: Showcase Of Clean And Minimalist Designs. Stand: 17.11.2008

http://www.smashingmagazine.com/2008/11/17/showcase-of-minimalist-and-clean-designs/

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