Ausschnitt: Wir wollen beachtet werden

Posted on August 2 2010 by Julius

Aufmerksamkeitsökonomie in Sozialen Netzwerken

Es ist ein natürliches Phänomen: Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist das Ziel dieses Artikels, wie auch jeder anderen Information, welche wir von uns geben. Wir wollen beachtet werden, bemerkt von der Öffentlichkeit, um schließlich für unsere Information auch ein Feedback zu bekommen und diese mit der öffentlichen Meinung abzugleichen. Nichts anderes passiert oder das Extrem davon passiert in den sog. Sozialen Netzen.

Jeder von uns hat sich schon gefragt: Was interessiert es mich, dass du gerade im Bus sitzt und dich auf dein Bett freust?! Denn das ist eine von Millionen Informationen, die jede Sekunde auf Facebook oder Twitter zu lesen ist. Wenn es uns nicht interessieren würde, wie das Leben anderer Menschen läuft, würden diese Netze und auch der größte Teil unseres Lebens in der Gesellschaft nicht funktionieren. Der Punkt ist, es interessiert uns und wir schreiben vielleicht zurück: “Ich auch, ich bin total müde. Habe gestern bis spät gearbeitet.”. Aber was uns noch viel mehr interessiert ist, wie jemand unsere eigene Meinung kommentiert. Das ist das Verlangen nach Aufmerksamkeit und Anteilnahme anderer an unserem Leben. Wir legen unser Leben offen auf den Tisch und fordern Feedback ein. Wir wollen, dass unsere Information gelesen und kommentiert wird, sie Aufmerksamkeit erhält, welche dann auch Aufmerksamkeit auf den Autor – uns – lenkt.

Das funktioniert besonders gut, wenn man dies in einer anonymen Atmosphäre wie dem Internet tun kann, da hier auch der schüchternste Mensch kaum Hemmungen hat, diese Aufmerksamkeit einzufordern.

Was mit dem Abbau dieser Hemmungen noch passiert, ist eine Veränderung der Informationsprioritäten und -wertschätzung. Geschätzte 90% aller Informationen, die in Sozialen Netzwerken publiziert werden, sind Banalitäten, die wir im realen Leben eher als unwichtig, also bei einer realen Konversation eher als nicht nennenswert betrachten. Die Information “Ich sitze im Bus und bin müde.” ist für das reale Verständnis von Informationen so banal, dass sie selbst beim langweiligsten Gespräch keine Erwähnung fände. Doch in Facebook finden sich vielleicht 20 Kommentare zu diesem Post.

Wenn also eine banale Information ebenfalls Aufmerksamkeit erreichen kann, steht doch die Frage im Raum, wie wir Informationen, die wirklich wichtig sind noch unter Millionen Nutzlosen finden können?

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